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Das schweigende Klassenzimmer

Ein Film von Lars Kraume Deutschland 2018 / 111 Min ab 15 Jahre Schulkinowochen-Film

Inhalt

Im Herbst 1956 sehen die DDR-Oberschüler Theo und Kurt im Kino in West-Berlin Wochenschaubilder vom Volksaufstand gegen das sozialistische Regime in Ungarn. Zurück in Stalinstadt (Eisenhüttenstadt) erzählen sie ihren Mitschüler*innen davon, die beim unangepassten Edgar im verbotenen Westradiosender RIAS weitere Einzelheiten erfahren. Aus Solidarität mit den Ungarn halten die Primaner im Unterricht spontan zwei Schweigeminuten ab. Während Schulrektor Schwarz versucht, die Aktion als Jugendstreich abzutun, dringt die Kunde davon zum Schulamt und zur SED-Bezirksleitung. Schließlich fordert Volksbildungsminister Lange die Oberprima ultimativ auf, binnen einer Woche die "Rädelsführer" zu nennen. Doch die 20 Schüler*innen weigern sich und werden vom Abitur ausgeschlossen. Damit stehen sie vor einer schmerzhaften Entscheidung: Fast alle reisen heimlich über die damals noch offene Grenze nach West-Berlin aus, und geben Heimat und Familie für unbestimmte Zeit auf.

filmisch

Das Drehbuch von Autor und Regisseur Lars Kraume beruht auf dem gleichnamigen Sachbuch von Dietrich Garstka aus dem Jahr 2006. Darin beschreibt der heute in Essen lebende ehemalige Gymnasiallehrer die Erlebnisse seiner Klasse, die sich 1956 in der brandenburgischen Stadt Storkow auflehnte. Der Film weicht gelegentlich von den überlieferten Fakten ab, so wurde die Handlung nach Stalinstadt verlegt, wo man in erhaltener zeitgenössischer Architektur drehen konnte. Die packende Inszenierung, die durch eine sorgfältige Ausstattung eine authentische Atmosphäre erzeugt, kombiniert stilsicher etliche Nachwuchsdarsteller mit erwachsenen Schauspielstars zu einem vielköpfigen Ensemble, das typisierte Figuren (Direktor, Minister) ebenso umfasst wie starke Identifikationsfiguren (Theo, Kurt).

Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit

Der Film veranschaulicht eindringlich die Stationen eines schmerzlichen Prozesses einer politischen Bewusstwerdung. War die Schweigeminute zunächst als spontane Solidaritätsgeste gedacht, so wurde daraus durch die überharte Reaktion des Regimes eine folgenschwere systemkritische Widerstandsaktion. Während der DDR-Minister den Protest im Film als konterrevolutionären Akt verurteilt, feierte die bundesdeutsche Presse die Schüler/innen als tapfere Freiheitskämpfer. Hier kann diskutiert werden, wie sich ideologische Frontstellungen des Kalten Krieges im Alltagsleben auswirken. Wann stoßen Akte der Zivilcourage an ihre Grenzen? Mit welchen Mitteln zwingt das Regime Bürger zum Verrat von Gesinnungsgenossen? Im Unterricht bietet es sich auch an, den Bogen in die Gegenwart zu schlagen: Wer ist unter Zwang bereit, für seine Überzeugungen Freunde zu hintergehen und Existenz oder Karriere aufzugeben?

Autor*in: Reinhard Kleber 07.02.2018, Letzte Aktualisierung: 14.05.2024

Genre
Drama
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
Klassenstufe
ab 10. Klasse
Unterrichtsfächer
Geschichte, Deutsch, Ethik, Sozialkunde, Psychologie, Religion, Demokratieerziehung (fächerübergreifend)
Themen
(Deutsche) Geschichte, Ost-West-Konflikt, DDR, geteiltes Deutschland, Erwachsenwerden, politisches Erwachen, Meinungsfreiheit, Rebellion, Generationenkonflikt, Solidarität, Identität, Verlust, Selbstbestimmung, Individuum (und Gesellschaft)

Credits

Filmtitel
Das schweigende Klassenzimmer
Kinostart
01.03.2018
Genre
Drama
Regie
Lars Kraume
Buch
Lars Kraume nach dem Tatsachenbericht von Dietrich Garstka
Darsteller*innen
Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Isaiah Michalski, Ronald Zehrfeld, Florian Lukas, Jördis Triebel, Michael Gwisdek, Burghart Klaußner u. a.
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
StudioCanal
Festivals
Bayerischer Filmpreis 2018 für Jonas Dassler als bester Nebendarsteller; Uraufführung auf der Berlinale 2018 in der Reihe Special; Friedenspreis des Deutschen Films Die Brücke 2018