Im Schatten des Orangenbaums
Ein Film von Cherien Dabis Deutschland, Zypern, Griechenland, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien 2024 / 146 Min ab 13 Jahre
Inhalt
IM SCHATTEN DES ORANGENBAUMS erzählt von und aus der Perspektive einer palästinensischen Familie, deren Geschichte sich über sieben Jahrzehnte erstreckt. 1948, mit der Vertreibung palästinensischer Lebenswelten aus Jaffa, verliert Großvater Sharif Haus und Orangenplantage. Er weigert sich, mit der Familie zu fliehen, bleibt zurück, um das Land zu schützen, wird jedoch von Soldaten vertrieben und inhaftiert. 1978 lebt die Familie im Flüchtlingslager im Westjordanland. Sharif ist gezeichnet, und ein Teil von ihm ist in Jaffa geblieben. Salim, sein Sohn, unterrichtet, Hanan hält den Alltag zusammen, die Enkelkinder wachsen unter den Bedingungen der Besatzung auf. 1988 schließt sich Noor, Salims Sohn, einer Demonstration gegen die israelische Militärpräsenz an und wird schwer verletzt – ein Moment, der die Familie erneut erschüttert. In verschachtelter Erzählweise verknüpft der Film persönliche Verluste mit historischer Gewalt und zeigt, wie sich politische Unterdrückung in Körpern, Erinnerungen und Beziehungen bis in die Gegenwart fortschreibt. Eine Organspende am Ende des Films wirft die Frage auf, wie Fürsorge und Würde selbst unter den Bedingungen von Gewalt möglich bleiben.
filmisch
Der Film entfaltet sich in ruhigen, konzentrierten Bildern, die persönliche und politische Ebenen eng verweben. Die nicht-lineare Erzählweise lässt Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen und lädt das Publikum ein, die Verbindungen zwischen den Generationen selbst herzustellen. Jeder Ortswechsel bringt auch einen Stimmungswechsel mit sich, von Wärme zu Enge, von Erinnerung zu Kontrolle. Die Kamera bleibt nahe an den Figuren, verweilt in Momenten der Stille und schafft Raum für Empathie, ohne Gefühle vorzugeben. Der Film basiert auf historischen Ereignissen und verweist auf die Folgen der Vertreibung des palästinensischen Volkes durch die Gründung des Staates Israel. Selbst im Moment größter Verletzung bleibt er bei der Würde der Figuren und zeigt, dass Menschlichkeit eine Entscheidung sein kann, gegen das, was einen entmenschlichen will.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
IM SCHATTEN DES ORANGENBAUMS eignet sich für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Nakba, der Geschichte Palästinas im 20. Jahrhundert, der Gründung des Staates Israel und den Nachwirkungen von Vertreibung, Exil und Besatzung. Im Fokus stehen dabei familiäre Erinnerung, intergenerationale Traumata und der Umgang mit kolonialen Machtstrukturen. Die ethische Entscheidung der Eltern am Ende des Films kann Anlass bieten, über Menschlichkeit unter Bedingungen von Not und Gewalt nachzudenken. Auf filmischer Ebene lohnt sich die Analyse von Ton und Montage: Wie schafft der Film Bedeutung durch Auslassungen, Schweigen und Wiederholungen? Wie wirken sich Off-Töne und Nebengeräusche auf die Wahrnehmung von Bedrohung aus? Auch die Erzählstruktur kann besprochen werden: Wie verändert sich Zeit, wenn sie nicht erklärt, sondern erinnert wird?
Autor*in: Cila Yakecã 04.11.2025, Letzte Aktualisierung: 19.11.2025
- Originaltitel
- All That’s Left of You
- Genre
- Drama, (Historien-)Drama
- Altersempfehlung
- ab 13 Jahre
- Klassenstufe
- ab 8. Klasse
- Unterrichtsfächer
- Politik, Geschichte, Ethik, Religion, Kunst, Erdkunde
- Themen
- Nakba, Erinnerung, Familie, Vertreibung, Kolonialismus, Besatzung, Staatsgründung, Traumata, Exil, Widerstand, Identität, Humanität, Diaspora, Menschenrechte, Gefangenschaft, Bildung, staatliche Gewalt, Verantwortung, Organspende
Credits
- Filmtitel
- Im Schatten des Orangenbaums
- Originaltitel
- All That’s Left of You
- Kinostart
- 20.11.2025
- Genre
- Drama, (Historien-)Drama
- Regie
- Cherien Dabis
- Buch
- Chrerien Dabis
- Darsteller*innen
- Cherien Dabis, Saleh Bakri, Adam Bakri, Mohammad Bakri, Maria Zreik, Muhammad Abed Elrahman u. a.
- Altersempfehlung
- ab 13 Jahre
- FSK
- ab 12 Jahre
- Verleih
- X-Verleih
- Festivals
- (Auswahl 2025) Sundance Film Festival; San Francisco Internation Film Festival: Golden Gate Award als Bester Spielfilm; Publikumspreis; Sydney Filmfestival: Publikumspreis Bester Internationaler Film; Karlovy Vary