Trima Film Florian Strandl 2026
Die andere Seite
Ein Film von Mariko Minoguchi Deutschland, Österreich 2026 / 106 Min ab 16 Jahre
Inhalt
Die Ärztin Hanna gehört zu den Infizierten, die mit dem tödlich ansteckenden Virus einer Seuche leben können. Die postpandemische Gesellschaft ist zu trügerischer Normalität zurückgekehrt, indem Infizierte davon ausgeschlossen und ohne Aussicht auf Heilung in Lagern interniert sind. Hanna, die ihre Familie durch das Virus verloren hat, lebt versteckt im Wald. Ihr medizinisches Wissen ist elementar für ihr Überleben; so kann sie etwa eine Wunde selber nähen. Der Zivilisation kommt sie kaum näher als auf gelegentlichen Beutezügen in leerstehende Häuser; ein Kurbelradio versorgt sie mit Nachrichten und Musik. Seltene Begegnungen mit anderen Menschen sind immer eine Entscheidung über Leben und Tod. Als Hanna gezwungen ist, ihre Waldhütte aufzugeben, führt ihr Weg sie zu einer alten Frau auf einem abgelegenen Hof und in ein improvisiertes Zeltlager mit anderen Infizierten – schließlich flieht sie über die Alpen, gemeinsam mit einer jungen Schwangeren.
filmisch
Die Protagonistin wird als entschlossene Person eingeführt, die ihr Leben im Wald längst routiniert meistert. Anders als im klassischen Aussteiger-Abenteuer ist Hanna keine Heldin im Überlebenskampf mit der Wildnis, sondern eine gebrochene Frau, die alles verloren hat. Im Fokus dieser Charakterstudie steht das innere Erleben von Verlust, Einsamkeit und Sehnsucht nach Nähe. Ohne menschliches Miteinander gibt es keine Gespräche, der erste Dialog findet nach gut 20 Minuten statt. Leise Geräusche, die sonst im Lärm der Zivilisation untergehen (z. B. das Kratzen einer Gabel auf dem Teller), verleihen kleinen Dingen Bedeutung. Naturgeräusche und die Abwesenheit menschlicher Stimmen verstärken die Atmosphäre der Isolation, aber auch der erlebten Freiheit. Statt in Hochglanzästhetik prächtiger Berge und Landschaften ist die Wildnis dokumentarisch-nüchtern inszeniert, als Sinnbild für Hannas Einsamkeit und Ausgrenzung durch eine mitleidlose Gesellschaft.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
Die Schüler*innen werden beauftragt, auf Besonderheiten der Tonebene – Geräusche, (kein) Dialog – zu achten, und untersuchen diese auf ihre narrative Funktion und Wirkung. Für ein Figurenportrait bieten Hannas Mimik, ihre Handlungen und Entscheidungen Rückschlüsse auf ihren Charakter und ihr früheres Leben. Welche Grenzerfahrungen macht sie? Wie geht sie mit der Trauer um ihr Kind um? Hannas Aussage, es mache keinen Unterschied, ob sie lebt oder stirbt, eröffnet ein Gespräch über den Wert des Lebens. Wie wird dieser im Film vermittelt? Das Bild, das der Film von der Gesellschaft zeichnet, führt zur Frage, was der Umgang mit Krankheit über eine Gesellschaft aussagt. Abschließend wird das Filmende interpretiert, ob/inwiefern es Anlass zu Hoffnung gibt.
Autor*in: Ulrike Seyffarth 28.09.2026, Letzte Aktualisierung: 04.11.2026
- Genre
- Drama
- Altersempfehlung
- ab 16 Jahre
- Klassenstufe
- ab 11. Klasse
- Unterrichtsfächer
- Deutsch, Ethik, Sozialkunde, Philosophie, Biologie, Demokratieerziehung (fächerübergreifend)
- Themen
- Diskriminierung, Pandemie, Isolation Individuum (und Gesellschaft), Grenzerfahrungen, Natur, Freiheit, Resilienz, Flucht, Verlust, Trauer, Stigmatisierung, moralische Dilemmata, Solidarität, Menschlichkeit
Credits
- Filmtitel
- Die andere Seite
- Kinostart
- 22.10.2026
- Genre
- Drama
- Regie
- Mariko Minoguchi
- Buch
- Mariko Minoguchi
- Darsteller*innen
- Nina Hoss, Precious Mariam Sanusi, Barbara Petritsch u. a.
- Altersempfehlung
- ab 16 Jahre
- FSK
- ab 12 Jahre
- Verleih
- X-Verleih
- Festivals
- Filmfest Hamburg 2026
Hinweise
Triggerwarnung: Der Film thematisiert eine tödliche Seuche, Infektion und Isolation. Die Darstellung kann insbesondere bei Schüler*innen, die die Corona-Pandemie als belastend oder traumatisierend erlebt haben, belastende Erinnerungen auslösen.