scrollTop Icon
Link zum FilmTipp Paternal Leave

Paternal Leave - Drei Tage Meer

Ein Film von Alissa Jung Italien, Deutschland 2025 / 113 Min ab 12 Jahre Schulkinowochen-Film

Inhalt

Leo ist 15, als sie sich von Berlin allein an die italienische Adriaküste aufmacht – im Gepäck eine Adresse und eine Wut, die kaum zu bändigen ist. Am Ziel steht ein schäbiges Strandcafé, wo sie Paolo trifft: den Vater, den sie nie kannte. Paolo ist überrumpelt. Die Konfrontation holt eine verdrängte Vergangenheit zurück und gefährdet sein fragiles Jetzt, in dem er für seine jüngere Tochter Emilia da sein will. In Blicken, Ausbrüchen und flüchtigen Momenten tastet sich das ungleiche Duo an eine gemeinsame Sprache heran. Halt findet Leo bei Edoardo, einem sensiblen Jungen aus der Gegend, der selbst mit familiärer Ablehnung ringt. Ihre kurze, intensive Freundschaft wird zum Resonanzraum für das, was Worte nicht sagen. Der Film begleitet Vater und Tochter durch ein Wochenende, das keine Auflösung verspricht, aber eine Ahnung davon gibt, wie Nähe trotz Entfremdung möglich werden könnte.

filmisch

Alissa Jung inszeniert ihr Regiedebüt mit zurückhaltender Intensität. In langen Einstellungen, halben Blicken und tastenden Gesten entfaltet sich das Beziehungsgeflecht zwischen Vater und Tochter. Statt erklärender Dialoge dominieren nonverbale Spannungen. Leo und Paolo sprechen nicht dieselbe Sprache, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Wenn sie auf Deutsch insistiert und er auf Italienisch ausweicht, zeigt sich Sprachlosigkeit, die tiefer reicht als jede Vokabel. Die Kamera von Carolina Steinbrecher folgt den Figuren präzise über verlassene Strände, durch ein marodes Strandcafé und entlang der nebligen Küste Norditaliens, wo Flamingos zu poetischen Spiegeln des Ungleichgewichts werden. Der Film verwebt Leos Perspektive mit Edoardos, der seine sexuelle Identität sucht; sein Vater reagiert aus Homophobie mit Misstrauen und Härte. Musik, von 90er-Rap bis zu Kae Tempests Lyrik, verstärkt das Spannungsfeld zwischen Nähe und Rückzug, Verletzlichkeit und Rückhalt.

Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit

PATERNAL LEAVE bietet vielfältige Impulse zur Auseinandersetzung mit familiären Bindungen, individueller Verantwortung und emotionaler Selbstbehauptung. Leos Suche nach ihrem Vater eröffnet Gespräche über Herkunft, Zugehörigkeit und das Recht auf Antworten. Die Figur Edoardo bringt Erfahrungen queerer Jugendlicher und familiärer Gewalt zur Sprache, ein sensibel gesetzter Kontrapunkt, der Fragen nach Akzeptanz und verletzlicher Männlichkeit aufwirft. Auch die Sprachlosigkeit zwischen Leo und Paolo, wörtlich wie emotional, lädt zur Reflexion über Kommunikation ein. Als ästhetischer Einstieg eignet sich die Analyse der Kameraarbeit: Wie fängt die Bildsprache Nähe, Distanz und innere Konflikte ein? Landschaften, Körperhaltungen, Blickachsen und Geräusche werden hier zu Trägern einer Emotion, die sich Worten oft entzieht und genau deshalb umso stärker wirkt.

Autor*in: Cila Yakecã 31.10.2025, Letzte Aktualisierung: 12.11.2025

Originaltitel
Parternal Leave
Genre
Drama, Coming-of-Age
Altersempfehlung
ab 12 Jahre
Klassenstufe
ab 7. Klasse
Unterrichtsfächer
Deutsch, Ethik, Religion, Sozialkunde
Themen
Vater-Tochter-Beziehung, Eltern-Kind-Beziehung, Entfremdung, Familie, Sprachlosigkeit, LGBTQIA*, Homophobie, Herkunft, Gewalt, Gender/Geschlechterrollen, Verantwortung

Credits

Filmtitel
Paternal Leave - Drei Tage Meer
Originaltitel
Parternal Leave
Kinostart
27.11.2025
Genre
Drama, Coming-of-Age
Regie
Alissa Jung
Buch
Alissa Jung, Matteo Burani
Darsteller*innen
Camilla Brandenburg, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Adele Schaumburg, Eva Löbau u. a.
Altersempfehlung
ab 12 Jahre
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
eksystent filmverleih
Festivals
Berlinale 2025, Sektion Generation 14plus 2025: Gewinner Cinema Vision Preis