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Horizont

Ein Film von Émilie Carpentier Frankreich 2021 / 89 Min ab 14 Jahre Schulkinowochen-Film

Inhalt

Mit Feenflügeln am Rücken und glitzerblauem Lidschatten zieht Adja am Wochenende mit ihrer besten Freundin Sabira los. Die Mädels wollen Spaß haben, überrascht werden vom Leben. Ist doch Adjas Alltag wenig glamourös: Sie büffelt für ihr Fachabi in Sozialarbeit und ist vom x-ten Praktikum im Pflegeheim frustriert. Viel lieber würde die aufgeweckte Jugendliche mit Kindern arbeiten statt "alten Leuten beim Sterben zuzusehen". Zuhause steht Adja im Schatten ihres großen Bruders Tawfiq, der als Profifußballer arbeitet. Der Erfolgsdruck ist groß bei der afrikanischstämmigen Familie, die in einem migrantisch geprägten Vorort lebt. Dort weckt der geplante Freizeitpark, der vor den Toren der Stadt entstehen soll, die Hoffnung auf Jobs und sozialen Aufstieg. Gegen dieses Bauprojekt protestieren überwiegend weiße Bauern und Aktivist*innen, die um ihre Existenz und die Natur fürchten. Es sind zunächst weniger Überzeugungen als die aufkeimende Liebe zu Arthur, durch die Adja eine neue Perspektive auf das Geschehen und ihr Leben gewinnt.

filmisch

Regisseurin Émilie Carpentier verhandelt in HORIZONT viele komplexe Themen: Die migrantisch geprägte Banlieue und die schwierigen Zukunftsperspektiven der dort lebenden Menschen konfrontiert sie mit dem Engagement von Jugendlichen der französischen Mittelschicht für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. Während Adjas Lebenssituation – ihr Konflikt mit dem Bruder und ihrer besten Freundin, ihre Schwierigkeiten in der Schule – differenziert dargestellt wird, sind die Umwelt-Aktivist*innen eher uniform und schematisch gezeichnet. Mitunter treten die Intentionen des Drehbuchs überdeutlich hervor. Die starke Präsenz von Hauptdarstellerin Tracy Gotoas jedoch lässt über diese Schwächen hinwegsehen. Eine neue Perspektiven suchende Bildgestaltung und der lebendige Soundtrack heben den Film auf der formalen Ebene heraus.

Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit

Der Film bietet einen guten Anlass mit den Schüler*innen die Grenzen ihres eigenen Horizontes zu hinterfragen: Mit welchen Lebenswelten spüren sie so gar keine Berührungspunkte? Und wie ließe sich das ändern? Sind sie überhaupt neugierig darauf? Weiterhin lässt sich der Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie thematisieren. Kann man sich Umweltschutz in Zeiten von Krieg, Corona und Inflation überhaupt noch leisten? Oder ist vielleicht schon diese Frage falsch gestellt? Und welche gesellschaftlichen Veränderungen sind den Schüler*innen wichtig? Nicht zuletzt sollten die formalen Mittel des Films analysiert werden, die genutzt werden, um Adjas Perspektivwechsel im Bild zu veranschaulichen.

Autor*in: Dörthe Gromes 29.09.2022, Letzte Aktualisierung: 11.01.2024

Originaltitel
L'Horizon
Genre
Drama, Coming of Age
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
Klassenstufe
ab 9. Klasse
Unterrichtsfächer
Französisch, Politik, Sozialkunde, Erdkunde, Ethik, Medienkunde
Themen
Frankreich, Umweltschutz, Ökonomie, Aktivismus, Migration, Migrationsgesellschaft, Diskriminierung, Erwachsenwerden, Rassismus, Zivilgesellschaft

Credits

Filmtitel
Horizont
Originaltitel
L'Horizon
Kinostart
06.10.2022
Genre
Drama, Coming of Age
Regie
Émilie Carpentier
Buch
Émilie Carpentier in Zusammenarbeit mit Cécile Vargaftig, Jacques Albert, Assmar Abdillah, Dany Bomou
Darsteller*innen
Tracy Gotoas, Sylvain Le Gall, Niia, Clémence Boisnard u. a.
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Arsenal Filmverleih