Karla, (c) Achtung Panda Florian Emmerich; eksystent filmverleih 2025
Karla
Ein Film von Christina Tournatzēs Deutschland 2025 / 104 Min ab 15 Jahre Schulkinowochen-Film
Inhalt
BRD, 1962: Die zwölfjährige Karla verlässt ihre Familie und geht zur Polizei, um ihren Vater wegen sexuellen Missbrauchs anzuzeigen. Den Paragrafen über „unzüchtige Handlungen mit Kindern“ hat sie im Strafgesetzbuch nachgelesen, nun will sie einen Richter sprechen. Der erfahrene Richter Lamy bezweifelt allerdings, dass er helfen kann: Vor Gericht muss der Tathergang präzise und detailliert benannt werden, aber Karla kann und will nicht aussprechen, was ihr jahrelang angetan wurde. Karla will, dass man ihr endlich Glauben schenkt, Richter Lamy wiederum fürchtet um seine Reputation. Ermutigt durch seine Sekretärin gelingt es Lamy, allmählich eine vertrauensvolle Kommunikation mit Karla aufzubauen. Er schenkt ihr eine Stimmgabel, die sie anstelle des Unsagbaren erklingen lassen kann. Karla, die nun in einem strengen, dabei Schutz bietenden Mädchenheim wohnt, begegnet vor Gericht erstmals ihrer Familie wieder: dem älteren Bruder und der Mutter, die leugnen, etwas gewusst zu haben, und dem Täter-Vater. Dessen Verteidiger zweifelt nicht nur Karlas Glaubwürdigkeit an, sondern unterstellt ihr eine Mitschuld und Richter Lamy Befangenheit …
filmisch
Das auf wahren Ereignissen beruhende, sensible Drama ist als Kammerspiel auf wenige Figuren und Schauplätze beschränkt. Es verzichtet auf Filmmusik sowie auf jegliche Darstellung sexualisierter Gewalt; erst im letzten Akt (Gerichtsszene) werden Details des Missbrauchs verbalisiert. Karlas Weigerung, das Unsagbare auszusprechen, wird als Stärke inszeniert, die Stimmgabel ist Symbol ihrer Selbstermächtigung. Zweite Hauptfigur ist Richter Lamy, der ebenso von Karla lernt wie umgekehrt. In dieser Konstellation und einer sonst männlich dominierten Welt ist Lamys Sekretärin das verbindende weibliche Element. Spielort sind überwiegend Innenräume, die durch geometrische Flächen (Wände) und Linien (Tür-/Fensterrahmen, Gitter) definiert sind. Den strengen Bildaufbau ergänzen gedeckte Farben, jeweils charakteristisch für einen Ort, eine Figur und die Zeit (1960er Jahre), und Hell-Dunkel-Kontraste, etwa ein im Schatten liegender Raum mit einer isolierten Figur im Licht.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
In Vorbereitung auf die Filmsichtung empfiehlt sich die Erarbeitung des Themas sexualisierte Gewalt an Kindern inklusive Hilfsangebote. Die Schüler*innen rekapitulieren den institutionellen Umgang mit Karla (Polizei, Arzt, Heim, Justiz) und stellen einen Vergleich zu heute her: Was hat sich bezüglich Kinderrechten und Kinderschutz seit 1962 verändert? Die Beschränkung auf wenige Figuren und Schauplätze, Bildgestaltung (Kadrage), Farb- und Lichtästhetik und der Verzicht auf Filmmusik können in Gruppenarbeit analysiert und ihre Wirkung beschrieben werden. Vermutungen über die Gründe für die Inszenierung als Kammerspiel lassen sich gemeinsam anstellen. Figurenanalysen von Karla und Richter Lamy machen kenntlich, wie sie sich und ihre Beziehung zueinander entwickeln und wie dies durch z. B. Farben, Kleidung, Gegenstände (Stimmgabel, Mohnblume, Gitarre, Füller) visuell umgesetzt wird.
Autor*in: Ulrike Seyffarth 25.09.2025, Letzte Aktualisierung: 15.12.2025
- Genre
- Drama
- Altersempfehlung
- ab 15 Jahre
- Klassenstufe
- ab 10. Klasse
- Unterrichtsfächer
- Deutsch, Ethik, Politik, Sozialkunde, Geschichte, Recht
- Themen
- sexualisierte Gewalt, Selbstwirksamkeit, Mut, Zivilcourage, Glaubwürdigkeit, Recht, Recht/Rechtssystem, Kinderrechte, Täter-Opfer-Umkehr, Menschenwürde, Vertrauen, Gesellschaft, Familie
Materialien zum Film
- FilmTipp_Karla.pdf
- Karla_Schulmaterial.pdf
-
Webseite des Verleihs zum Film
-
Der Film bei filmportal.de
-
Deutsches Institut für Menschenrechte zu Kindeswohl
-
Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmißbrauchs
-
Hilfetelefon "sexueller Missbrauch" der Bundesregierung
- Website von N.I.N.A. e.V., Informations- und Beratungsstelle mit weiteren Links
Credits
- Filmtitel
- Karla
- Kinostart
- 02.10.2025
- Genre
- Drama
- Regie
- Christina Tournatzēs
- Buch
- Yvonne Görlach
- Darsteller*innen
- Elise Krieps, Rainer Bock, Imogen Kogge u. a.
- Altersempfehlung
- ab 15 Jahre
- FSK
- ab 12 Jahre
- Verleih
- eksystent filmverleih
- Festivals
- Filmfest München 2025: Förderpreis Neues Deutsches Kino für Beste Regie, Bestes Drehbuch