Vergiss Meyn Nicht, W-Film 2023
Vergiss Meyn Nicht
Ein Film von Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl, Jens Mühlhoff Deutschland 2023 / 102 Min ab 14 Jahre Schulkinowochen-Film
Inhalt
Baumkronen, vom Boden aus gefilmt. „Alles wegen euch, ihr seid Mörder!“ ruft jemand aus dem Off. Die Bilder stammen aus der 360°-Helmkamera des 2018 tödlich verunglückten Steffen Meyn. Der Filmstudent war aus einem der Baumhäuser gestürzt, die Aktivist*innen im Zuge der Besetzung des Hambacher Forsts errichteten, um dessen Rodung durch den Energiekonzern RWE zu verhindern. Der Unfall des 27-Jährigen passierte während der polizeilichen Räumung des Geländes, entgegen der spontanen Vorwürfe allerdings ohne deren Zutun. VERGISS MEYN NICHT verwendet das umfangreiche Videomaterial, mit dem Meyn den Protest über einen Zeitraum von zwei Jahren dokumentierte. Drei Wegbegleiter*innen montieren die Aufnahmen zu einem direkten Einblick in die „Hambi“-Besetzung und ergänzen die Bilder um retrospektive Interviews.
filmisch
In einem Regie-Statement erklären Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl und Jens Mühlhoff, der verunglückte Steffen Meyn habe den Protest „solidarisch, aber keinesfalls unkritisch“ begleitet. Zwar zeigt VERGISS MEYN NICHT lediglich die Sicht der Aktivist*innen – die undogmatische Perspektive des Beobachters Meyn scheint dennoch durch. Die Macher*innen lassen Widersprüche zu und thematisieren auch interne Differenzen und Aggressionen innerhalb der Protest-Camps. Die Unmittelbarkeit der Bilder der Helmkamera ermöglicht interessante Einblicke in das Leben in den Baumhäusern, wobei die verzerrte Optik der auf 2D getrimmten 360°-Bilder dem Gefühl des Dabeiseins etwas zuwiderläuft. Ganz konventionell sind die eingefügten Interviews, in denen Beteiligte ihre Haltungen zum Aktivismus darlegen oder auf die Zeit im Forst zurückblicken.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
Die Filmsichtung regt eine Diskussion über die Proteste im Hambacher Forst an, die in generelle Überlegungen zu den Zielen und Methoden von Aktivismus münden kann. Wo liegen die Grenzen aktivistischen Handelns, was geht zu weit, was nicht weit genug? Im Film hadern die Protestierenden beispielsweise damit, eine klare Linie zum Einsatz von Gewalt zu finden. Als Argument für ein friedliches Vorgehen wird angeführt, dass ein zu rigoroses Vorgehen die Mehrheit der Bevölkerung abschreckt, was den erhofften Wandel hemmt; andererseits erzeugt Militanz mehr Medienresonanz. Diskutiert oder schriftlich erörtert werden kann das auch mit Blick auf die „Klima-Kleber“ der sogenannten Letzten Generation. Einen medienkundlichen Anknüpfungspunkt bietet die spezielle technische Umsetzung. Welche Möglichkeiten birgt die 360°-Kamera-Technik, wenn man die Bilder mit einer VR-Brille sichtet? Wie verändert der Einsatz solcher Kameras die Produktion und Postproduktion eines Films?
Autor*in: Christian Horn 21.08.2023, Letzte Aktualisierung: 20.12.2023
- Genre
- Dokumentarfilm
- Altersempfehlung
- ab 14 Jahre
- Klassenstufe
- ab 9. Klasse
- Unterrichtsfächer
- Ethik, Biologie, Deutsch, Sozialkunde, Politik
- Themen
- Aktivismus, Widerstand, ziviler Ungehorsam, Idealismus, Individuum (und Gesellschaft), Macht, Rechtsstaat, Ökologie vs. Ökonomie, Ethik
Materialien zum Film
- FilmTipp_Vergiss_Meyn_Nicht.pdf
- wfilm_vergiss_meyn_nicht_schulmaterial.pdf
-
Webseite des Verleihs zum Film
-
Konfrontation am Hambacher Forst, Videomitschnitt einer Podiumsdiskussion in der bpb-Mediathek
-
360° Grad-Aufnahmen von Steffen Meyn auf der Seite der Kunsthochschule Köln
- Materialsammlung Dokumentarfilm im Unterricht
Credits
- Filmtitel
- Vergiss Meyn Nicht
- Kinostart
- 21.09.2023
- Genre
- Dokumentarfilm
- Regie
- Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl, Jens Mühlhoff
- Buch
- Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl, Jens Mühlhoff
- Darsteller*innen
- Steffen Meyn, Alaska, Diam, Frodo, Lilie, Lola, Tuk, Wo u. a.
- Altersempfehlung
- ab 14 Jahre
- FSK
- ab 12 Jahre
- Verleih
- W-Film
- Festivals
- Filmkunstfest MV 2023: Bester Dokumentarfilm, Preis für die beste Bildgestaltung für Steffen Meyn (posthum); Berlinale 2023: Perspektive Deutsches Kino