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Die jüngste Tochter

Ein Film von Hafsia Herzi Frankreich, Deutschland 2025 / 113 Min ab 15 Jahre Schulkinowochen-Film

Inhalt

Fatima ist 17 und wächst als jüngste von drei Töchtern einer liebevollen französisch-algerischen Familie in einem Pariser Vorort auf. Während ihre Schwestern andere Wege gehen, beginnt sie ein Philosophiestudium in Paris und bewegt sich zwischen familiären Erwartungen, ihrem Glauben und eigenen Sehnsüchten: Es fällt ihr zunehmend schwer, ihre Liebe zu Frauen zu ignorieren. Erste intime Begegnungen, das Leben zwischen Vorlesungen, Gebeten und rauschenden Partys sowie die intensive Beziehung zu Ji-Na lassen sie immer stärker ihre Identität erforschen. Zum ersten Mal erlebt sie eine Liebe, die sie tief erfüllt und ihr zugleich Herzschmerz bereitet. Ihre innere Zerrissenheit spiegelt sich in Asthmaanfällen, Momenten von Freude, Lust, Scham und Zurückweisung ebenso wider wie im Ringen zwischen Religion und Selbstbestimmung. Hafsia Herzi erzählt ein Jahr im Leben einer jungen Frau – geprägt von Fragen nach Identität und Freiheit, der Möglichkeit, Glaube und queeres Leben miteinander zu vereinbaren und der Suche nach einem Platz, an dem sie sie selbst sein kann.

filmisch

Hafsia Herzi inszeniert mit großer Nähe zu ihrer Hauptfigur. Gedreht überwiegend mit Handkamera und Laiendarsteller*innen, entsteht ein intensiver Realismus. Die Kamera von Jérémie Attard folgt Fatima in Nahaufnahmen, fängt kleinste Gesten und Emotionen ein. Die Erzählstruktur ist nach Jahreszeiten gegliedert, wodurch Übergang und Wandel sichtbar werden. Szenen familiärer Enge wechseln mit Momenten queerer Freiheit in Paris. Herzi reduzierte das Drehteam bewusst, um Intimität zu ermöglichen, und probte lange mit den Darsteller*innen, sodass Alltagssituationen authentisch wirken. Die Musik von Amine Bouhafa setzt sparsame Akzente, inspiriert von Herzis Referenzen wie die Erinnerung an eine Spieluhr aus der Kindheit. Die Mischung aus dokumentarfilmartiger Unmittelbarkeit und poetischer Bildsprache macht Fatimas Ringen um Identität eindrucksvoll erfahrbar.

Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit

Der Film eröffnet Diskussionsräume zu Themen, die Jugendliche unmittelbar betreffen: Identität, Liebe, Coming-Out, Familie, Religion. Fatimas Suche nach einem Platz zwischen familiären Erwartungen, Glauben und queerer Lebensweise lädt ein, über Selbstbestimmung, Freiheit und (Selbst-) Akzeptanz zu sprechen. Im Unterricht können Fragen nach der Vereinbarkeit von Glauben und sexueller Orientierung thematisiert werden. Auch bietet sich die philosophische Auseinandersetzung mit Schuld, Scham, Freiheit und Emanzipation an. Der Vergleich von Fatima Daas’ Roman mit Herzis Film lässt unterschiedliche literarische und filmische Erzählweisen erschließen. Filmisch lassen sich der Einsatz von Handkameras, Nahaufnahmen, die Strukturierung der Handlung durch Jahreszeiten sowie die Musik untersuchen, und wie sie Fatimas innere Welt widerspiegeln. Auch der Kontrast von Licht und Farbe im Zusammenspiel der Alltags- und Nachtszenen ermöglicht eine filmästhetischer Analyse.

Autor*in: Golschan Haschemi 25.09.2025, Letzte Aktualisierung: 06.01.2026

Originaltitel
La Petite Dernière
Genre
Drama, Coming-of-Age, Literaturadaption
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
Klassenstufe
ab 10. Klasse
Unterrichtsfächer
Ethik, Religion, Französisch, Philosophie, Sozialkunde, Politik
Themen
(kulturelle und postmigrantische) Identität, Selbstbestimmung, Zugehörigkeit, Sexualität, Coming-Out, LGBTQIA+, Religion, Familie, Bildung, Gender-/Geschlechterrollen, Migrationsgesellschaft, Intersektionalität

Credits

Filmtitel
Die jüngste Tochter
Originaltitel
La Petite Dernière
Kinostart
25.12.2025
Genre
Drama, Coming-of-Age, Literaturadaption
Regie
Hafsia Herzi
Buch
Hafsia Herzi frei nach dem gleichnamigen Roman von Fatima Daas
Darsteller*innen
Nadia Melliti, Ji-Min Park, Amina Ben Mohamed, Rita Benmannana, Mélissa Guers, Razzak Ridha, Louis Memmi, Anouar Kardellas, Joven Etienne, Waniss Chaouki u. a.
Altersempfehlung
ab 15 Jahre
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Alamode Film
Festivals
(Auswahl 2025) 78. Internationalen Filmfestspielen Cannes: Preis für die beste Darstellerin; Queer Palm Cannes 2025; Locarno Film Festival