Enzo
Ein Film von Robin Campillo Frankreich, Belgien, Italien 2025 / 103 Min ab 16 Jahre Schulkinowochen-Film
Inhalt
In Südfrankreich entscheidet sich der 16-jährige Enzo, entgegen den Erwartungen seiner reichen und akademisch geprägten Familie, für eine Ausbildung als Maurer. Vor allem sein Vater ist enttäuscht und schwankt zwischen Verständnis und Ablehnung. Enzo ist introvertiert, ruhig und künstlerisch begabt. Auf der Baustelle hat er es schwer, dennoch will er etwas Bleibendes schaffen. Sein Alltag wird besonders durch Vlad geprägt, einem etwas älteren Kollegen, der vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflohen ist. Durch Vlad setzt sich Enzo mit der Lage junger Männer, die kämpfen müssen, und den vielen Zerstörungen in der Ukraine auseinander. Vlad wird für Enzo zum männlichen Vorbild und gleichzeitig zum heimlichen Schwarm. Beide sind ihren Familien entfremdet und freunden sich an. Das wachsende Unverständnis in Enzos Familie und seine Gefühle für Vlad spitzen die Situation immer mehr zu. Auch steht Enzo ständig vor der Frage, welchen Weg er für sein Leben eigentlich einschlagen will.
filmisch
Der Film überzeugt mit Ruhe und Sanftheit, indem er tiefsitzende Konflikte zärtlich übermittelt. Dabei setzt die Regie bewusst auf Langsamkeit, die gelegentlich an Fahrt gewinnt. Enzo sucht gleichzeitig Nähe und Distanz, was sich im Film widerspiegelt: Die Distanz wird durch die weite Landschaft Südfrankreichs mit Seen und Bergen dargestellt, die Nähe durch intensiven Filmsound und Nahaufnahmen. Das Zirpen der Grillen ist besonders laut und wird teilweise von Pop- und Rapmusik ersetzt. Besonders auffallend sind Szenen, in denen Figuren in die Sphären anderer hineintreten – etwa wenn ärmere Menschen in die Orte reicherer Menschen eintreten und umgekehrt. Bei Dialogen nutzt der Film die Schuss-Gegenschuss-Technik. Diese Technik gewinnt ihre besondere Wirkung dadurch, dass in bestimmten Momenten bewusst einzelne Nahaufnahmen der Figuren eingesetzt werden, um ihre Einsamkeit und innere Orientierungslosigkeit zu betonen.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
Schüler*innen können Krieg anhand der Figur Vlad empathisch nachvollziehen und über weltweite Gleichgültigkeit sowie inneren Weltschmerz reflektieren. Dramaturgisch zeigt sich eine klassische Eskalationsstruktur. Zentral sind Männlichkeitsbilder: Vlad, Enzo und sein Vater Paolo verkörpern verschiedene Facetten von Patriarchat, Macht und Normen. Zudem können Schüler*innen queere Ausdrucksformen in männlich kodifizierten Räumen reflektieren, da der Film einen Ursprung solcher Subkulturen in maskulinen Arbeitswelten wie Baustellen und Soldatentum aufzeigt. Enzos künstlerisches Aufbegehren entsteht im Kontext dieser Räume. Methodisch eignet sich die Analyse der Schuss-Gegenschuss-Technik und gezielter Nahaufnahmen in Dialogen und Konflikten. Die ästhetisierte Architektur- und Naturdarstellung in Kombination mit Laurent Cantets humanistischer Figurenzeichnung lädt zur Analyse komplexer menschlicher Dynamiken ein.
Autor*in: İlyas İnevi 03.09.2025, Letzte Aktualisierung: 26.01.2026
- Genre
- Drama, Coming-of-Age
- Altersempfehlung
- ab 16 Jahre
- Klassenstufe
- ab 11. Klasse
- Unterrichtsfächer
- Französisch, Sozialkunde, Kunst, Ethik, Politik
- Themen
- Identität, Selbstfindung, Weltschmerz, Konflikte, soziale Dynamiken, soziale Ungleichheit, Familie, Entfremdung, Krieg, Migration, Kunst, Männlichkeit, Queer-Sein
Materialien zum Film
Credits
- Filmtitel
- Enzo
- Kinostart
- 26.03.2026
- Genre
- Drama, Coming-of-Age
- Regie
- Robin Campillo
- Buch
- Robin Campillo, Laurent Cantet, Gilles Marchand
- Darsteller*innen
- Eloy Pohu, Pierfrancesco Favino, Élodie Bouchez, Maksym Slivinskyi, Nathan Japy, Vladyslav Holyk, Malou Khebizi, Philippe Petit u. a.
- Altersempfehlung
- ab 16 Jahre
- FSK
- ab 16 Jahre
- Verleih
- Salzgeber
- Festivals
- Internationales Filmfestival von Cannes (Directors’ Fortnight), Sydney Film Festival, Queerfilmfestival 2025