White Bird
Ein Film von Marc Forster USA 2023 / 122 Min ab 14 Jahre Schulkinowochen-Film
Inhalt
Julian wurde der Schule verwiesen, weil er einen Mitschüler gemobbt hat. Seine Großmutter Sara bewegt das dazu, dem Teenager erstmals von ihrer Vergangenheit als verfolgte Jüdin zu erzählen. Im Herbst 1942 lebt die 15-jährige Sara als Schülerin im französischen Ort Aubervilliers aux Bois. Als die Nazi-Besatzer an ihrer Schule jüdische Kinder und Jugendliche festnehmen, versteckt sie der gleichaltrige Julien in der an einem Waldrand gelegenen Scheune seiner Eltern. Bis dahin hat die künstlerisch talentierte Sara ihren Klassenkameraden, der wegen seiner Beinschiene verspottet wird, kaum wahrgenommen. Doch über die Monate, die Sara auf dem Heuboden um ihr Leben und das ihrer Eltern bangt, entsteht zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft, aus der Liebe erwächst.
filmisch
Regisseur Marc Forster adaptiert den Roman „White Bird” von R. J. Palacio als emotionales und eingängig inszeniertes Drama mit Spannungsmomenten. Mit Bildern wie dem allzu malerischen Lichteinfall im nebligen Wald balanciert Forster auf dem schmalen Grat zwischen rührend und rührselig, ohne zu sehr dem Kitsch zu verfallen. Den Hauptteil des warm ausgeleuchteten Films nimmt die Binnenerzählung während der NS-Besatzung in Frankreich ein, die von der Gegenwartshandlung in New York gerahmt wird. Inhaltlich positioniert sich WHITE BIRD klar gegen Ausgrenzung, Verfolgung und Unmenschlichkeit und formuliert als Gegensatz dazu Werte wie Zivilcourage, Liebe und Humanismus – „Vive l'humanité” („Es lebe die Menschlichkeit”) ist der wiederholte Leitsatz des Films. Darüber hinaus arrangiert Forster eine Hommage an das Geschichtenerzählen, an die Kunst und die Kraft der Imagination.
Anknüpfungspunkte an die pädagogische Arbeit
Zunächst regt die Filmsichtung ein Gespräch über Antisemitismus an. Wichtig ist eine sensible Vorabkommunikation mit den Schüler*innen, da der Film z. B. antisemitischen Aussagen und NS-Propaganda wie ein antijüdisches Puppenspiel reproduziert. In einem eindrücklichen Bild verdeckt ein „Juden verboten”-Schild Saras Augen. „Sie hassen uns, weil sie uns nicht sehen können,” meint ihr Vater. Relevant ist auch der Gegenwartsbezug der Handlung, auf den bereits die parallele Namensgebung Julian/Julien verweist. Im Heute gemahnt die Schülerin Rhamiya daran, dass Ausgrenzung nach wie vor existiert; eine Nie-wieder-Rede der Großmutter unterstreicht das. Besprechenswert ist auch, wie der Film die Imagination feiert: Sara und Julien schaffen sich eine eigene Welt, was ihre Situation erträglicher macht. Auf welche Weise Märchenbezüge wie eine Kamerafahrt auf eine Schneekugel oder bedrohliche Wölfe im Wald die Gestaltung des Films prägen, kann von den Schüler*innen analysiert werden. Ein weiteres Beispiel sind Saras rote Halbschuhe, die DER ZAUBERER VON OZ (Victor Fleming USA 1939) zitieren.
Autor*in: Christian Horn 25.03.2024, Letzte Aktualisierung: 15.07.2024
- Genre
- Drama, Literaturadaption
- Altersempfehlung
- ab 14 Jahre
- Klassenstufe
- ab 9. Klasse
- Unterrichtsfächer
- Geschichte, Englisch, Deutsch, Ethik
- Themen
- Antisemitismus, Judenverfolgung, Holocaust, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Frankreich, Freundschaft, Fantasie, Ausgrenzung, Märchen, Zivilcourage, Zusammenhalt
Materialien zum Film
Credits
- Filmtitel
- White Bird
- Kinostart
- 11.04.2024
- Genre
- Drama, Literaturadaption
- Regie
- Marc Forster
- Buch
- Mark Bomback nach dem Roman „White Bird: A Wonder Story” von R.J. Palacio
- Darsteller*innen
- Ariella Glaser, Orlando Schwerdt, Gillian Anderson, Helen Mirren, Bryce Gheisar u. a.
- Altersempfehlung
- ab 14 Jahre
- FSK
- ab 12 Jahre
- Verleih
- Leonine Studios
Hinweise
Content Note: Vor dem Kinobesuche ist eine sensible Vorabkommunikation mit den Schüler*innen notwendig, da der Film z. B. antisemitischen Aussagen und NS-Propaganda wie ein antijüdisches Puppenspiel reproduziert.